Sehenswertes in Sülzbach

Alte Kelter Sülzbach

Friedhofstraße 3, Obersulm-Sülzbach

Das unter Abt Maurus von der Zisterzienserabtei Schöntal erbaute und 1790 fertiggestellte Gebäude wurde über 200 Jahre lang bis 1993 als Weinkelter genutzt. Nach Auflösung des Klosters fiel die Kelter zuerst an das Herzogtum Württemberg, wurde dann 1834 von der Gemeinde Sülzbach erworben und 1963 an die Weingärtnergenossenschaft Sülzbach verkauft. Nach deren Fusion mit der damaligen Weingärtnergenossenschaft "Mittleres Weinsberger Tal" in Willsbach, erwarb die Gemeinde Obersulm 1993 das Keltergebäude zurück. Mit großer finanzieller Förderung aus dem Landessanierungsprogramm, tatkräftiger Mithilfe des Musikvereins Sülzbach und des Brieftaubenvereins wurde die "Alte Kelter" umgebaut und wird seit Juni 1998 für Vereinszwecke genutzt.

 

Zeittafel

1790               Fertigstellung des Kelterbaus, Bauherr: Abt Maurus Schreiner, Zisterzienserabtei Schöntal im Jagsttal

1802/1803       Aufhebung des Klosters; Säkularisierung des Klosterbesitzes; Übergang an das Herzogtum Württemberg/ Königreich Württemberg 

(Herzog Friedrich II, ab 1806 König Friedrich I)

1834               Verkauf der Kelter durch das königliche Kameralamt in Weinsberg an die Gemeinde Sülzbach

1950               Gründung der Weingärtnergenossenschaft Sülzbach

1963               Verkauf der Kelter durch die Gemeinde Sülzbach an die Weingärtnergenossenschaft Sülzbach

1993                Verschmelzung der Weingärtnergenossenschaft Sülzbach mit der Weingärtnergenossenschaft Mittleres Weinsberger Tal mit Sitz in Obersulm-Willsbach

1993                 Erwerb der Kelter durch die Gemeinde Obersulm

1996                  Beginn der Umbauarbeiten an der Alten Kelter für eine Vereinsnutzung

1998                  Einweihung der umgebauten Kelter         

 Keltergebäude

Die heutige "Alte  Kelter" an der Friedhofstraße wurde von der Zisterzienserabtei Schöntal erbaut und  im Jahr 1790 fertiggestellt. Der Schlussstein über dem Ostportal weist auf dieses Datum hin. Natürlich gab es schon seit dem Mittelalter Vorgängerbauten in Sülzbach, denn der sog. Weinzehnte (s.w.u.) war eine der wichtigsten Einnahmequellen für die Obrigkeit. Daher war es notwendig, dass entsprechende Keltergebäude im Ort vorhanden waren. So wird bereits 1499 in der Dorfordnung für Sülzbach eine Kelter erwähnt.

Das Gebäude ist ca. 28 m lang, 20 m breit und 16m hoch und vollständig aus Sandstein gebaut.

Der Sandstein selbst dürfte aus dem Steinbruch von Wimmental stammen, der ja im Eigentum des Klosters stand.

Die Kelter wurde mit fünf "Bäumen" = "Kelterbäumen"= Pressen ausgestattet (Torkelpressen). Die Torkelpressen leisteten über 130 Jahr ihre Dienste, bis sie dann nach dem Ersten Weltkrieg Anfang der 20-er Jahre nach und nach durch moderne hydraulische Pressen ersetzt wurden. Daneben gab es noch eine sog."Trotte", eine Anlage zum Trauben treten.

 Bauherr

Zur Zeit dieses Kelterbaus war Maurus Schreiner Abt in Schöntal (1784 -1803).Sein Wappen befindet sich an der Ostseite der Kelter.

Ebenfalls an der Ostseite weist eine weitere Inschrift auf einer ovalen Steinplatte mit Umkränzung auf den Schöntaler Abt Maurus Schreiner hin.

Der Text in einem allerdings nicht klassischen Latein lautet:

 ETSI LANGUEBANT VITES SUB PRAESIDE MAURO

HENRICUS  BACHO EANA (FEANA ?) NOVARE JUBET

 LAMBERTUS UERO SATAGIT EA CONDERE TECTO

 QUAE VIX E TERRA PROVEHITE ISTE PRIOR

 QUAE NUNC IN SULZBACH VALLIS SPECIOSA REPONIT

 PLURES POST LUNAS FAC DEUS HIC REDEANT

Die Übersetzung: 

 Auch wenn die Reben ermattet waren

unter dem Schutz (Schutzherrschaft) des Maurus

befiehlt Henricus* dem Bacchus,

seine Heiligtümer (Heiliges) ** zu erneuern.

 Lambertus***aber hat vollauf damit zu tun, das (die Ernte)

durch ein Dach zu schützen (bergen),

was jener zuvor mit Mühe aus der Erde herausfährt (herausbringt),

was nun das liebliche Tal in Sülzbach aufbewahrt,

mache Gott, dass es nach mehreren Monden (Monaten)

  hier(her)zurückkehrt.

      Henricus = Henricus Heiß (1785 Pfarrer in Wimmental)

   ** Heiligtümer/Heiliges = auch Kirchengüter,

                    z.B. Heiligenpfleger = Kirchenpfleger

   *** Lambertus = Lambertus Huberich

        (1790  Pfarrer in Wimmental / praef. et parochus)

Weiter ist an der Kelter an der Nordostecke eine zweiteilige Tafel ins Mauerwerk eingelassen.

Die Inschrift der linken Tafel ist herausgemeißelt.

Auf der rechten Tafel steht:         Gewesene Bauren stein ge=

                                                      führt für Schultheiß Vetterle von

                                                      Wimnthal und Heinrich Acker

                                                      von Dimbach.

Sebastian Vetterle war von 1785 bis 1802 Schultheiß von Wimmental. Dort befand sich seit 1590 der sog. "Pfleghof", eine Art Verwaltungszentrale für die Besitztümer des Klosters Schöntal in unserer Gegend.

Eigentums- und Nutzungsänderung

vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis heute:

Die Kelter war Eigentum des Klosters bis zur Säkularisation in den Jahren 1802/1803 und ging dann an das Haus Württemberg über. Auch nach der Aufhebung des Kelterzwangs und der Ablösung des Weinzehnten (Erläuterung dazu s.w.u.), in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts,  nutzten die Sülzbacher Weingärtner die Kelter bis zum  Ende des 20. Jahrhunderts.

1834 erwarb die Gemeinde Sülzbach das Gebäude vom königlichen Kameralamt in Weinsberg. 

 Auch die 1950 gegründete Weingärtnergenossenschaft  Sülzbach nutzte die Kelter für das Herbstgeschäft bis zu ihrer Fusion mit der Weingärtnergenossenschaft Mittlers Weinsberger Tal, mit Sitz in Obersulm Willsbach im Jahr 1993. 

1963 hatte die WG Sülzbach das Gebäude sogar von der Gemeinde Sülzbach für 33 530 DM erworben.

Im Keltergebäude wurden auch Feuerwehrgeräte gelagert. Selbst eine Schlauchtrocknungsanlage befand sich dort.

Daneben betrieb eine Gefriergemeinschaft eine Gefrieranlage in diesem Gebäude.

Der Rückerwerb der Kelter durch die Gemeinde Obersulm erfolgte im Dezember 1993 zu einem Kaufpreis von 274 400 DM.

 Kelterumbau zur Vereinsnutzung

 Durch die Aufnahme von Sülzbach in das Landessanierungsprogramm im Jahr 1995 wurde die Gemeinde Obersulm in die Lage versetzt, sich mit einer Umnutzung des Keltergebäude für Vereinszwecke nähers zu beschäftigen. Nach intensiven Gesprächen waren schließlich der Musikverein Sülzbach und der Brieftaubenverein Obersulm-Sulmtalbote bereit, sich mit wesentlichen Eigenleistungen am Umbau zu beteiligen, wenn sie anschließen auch Nutzer der neugestalteten Räume sein könnten.

Die Planung für die Umbauarbeiten lag beim Architekturbüro Ernst Frey in Stuttgart.

1996 fiel der Startschuss für die Arbeiten und die feierliche Einweihung fand dann im Juni 1998 statt. 

Die Kosten für diese Sanierungs-und Umbaumaßnahmen beliefen sich auf rund 1 Million DM.

700 000 DM stemmte die Gemeinde mit Unterstützung aus dem Sanierungsprogramm. 

300 000 DM und fast 2500 Arbeitsstunden brachten der Musikverein und der Brieftaubenverein auf.

Weltliche und kirchliche Ortsherren und die wirtschaftliche Verflechtung mit Sülzbach,
Abgabenlast der Bürger (Zehntabgaben)

"

1.)  Weltliche  Oberhoheit  über Sülzbach

Das Lehenswesen  (Lehen = lat. feudum = Feudalwirtschaft)  war die prägende Wirtschafts- und Herrschaftsform des europäischen Mittelalters. Der  Landesherr übte seine Herrschaftsrechte wie z.B. Vogtei oder Gericht in den von ihm beherrschten Orte durch Ministeriale aus, die mit diesen Aufgaben belehnt wurden. Auch sein Grundbesitz, den er vor Ort besaß, wurde in der Regel von Lehensmännern bewirtschaftet. Die Lehensnehmer mussten dafür im Gegenzug der Herrschaft treue Dienste leisten.

 Übliche Formen des  Lehens:           "Erblehen" 

 Diese konnten vererbt, verkauft, weiterverliehen (Afterlehen) oder sogar geteilt werden.

                                                              "Fallehen"

 Dieses fiel im Todesfall an den Grundherrn zurück.

                                                               "Gnadenlehen"   

 Dieses konnte jederzeit vom Grundherren eingezogen werden.

                   

Die Lehensnehmer ließen in der Regel ihr Pachtland von Bauern bewirtschaften, die dafür Abgaben leisten mussten. Die häufigsten Abgaben waren zum einen, dem geringeren Teil, der Grundzins/die Gült (ähnlich dem heutigen Pachtzins) zum anderen, dem wesentlich größeren Teil,  die jährlichen "Gefälle" (der "Zehnte").

 Es gab u.a. den:

 "Großen Zehnten“ (Fruchtzehnter): Korn (Weizen/Hafer)

 "Kleinen Zehnten":Heu/Flachs/Rüben/Erbsen/Linsen/Bohnen/ 

                                 auch Hühner

 "Weinzehnten" 

                                                                                                                                                                                                                             Landesherrschaft:

Seit Frühmittelalter     Bistum Würzburg als Reichslehen

1323                           Das Bistum überträgt Sülzbach als Lehen 

                                   weiter an Konrad IV von Weinsberg

 bis 1450                     Die Herren von Weinsberg

 1450 bis 1504            Kurpfalz (Kurfürst Friedrich von der Pfalz)

 1504 bis  1522           Herzogtum Württemberg (Herzog Ulrich )  

 1522 bis  1534           Habsburg

                                   (  Kaiser Karl V / Erzherzog Ferdinand von Österreich)

1534 bis zur Neuzeit   Herzogtum (ab 1806) Königreich Württemberg

                                                                                                                                                                                                                       

2.)  Kirchliche und wirtschaftliche Verflechtungen  (Sülzbach und die Zisterzienserabtei Schöntal)

Sülzbach gehörte zum Bistum Würzburg vom frühen Mittelalter bis zu Neuordnung der Katholischen Bistümer (1814) durch das  Königreich Württemberg.

 Zisterzienserabtei Schöntal im Jagsttal

Das Kloster Schöntal, um 1150 von Wolfram von Bebenburg gestiftet, trat urkundlich belegt im Jahr 1345 in die Ortsgeschichte von Sülzbach ein. Dort spielte es von 1450 bis weit in die Neuzeit hinein eine führende wirtschaftliche und kirchliche Rolle, selbst unter den wechselnden weltlichen Landesherrschaften in diesen Jahrhunderten und auch nach der Reformation.

1345    Engelhardt von Weinsberg und seine Frau Hedwig  verschenkten Teile ihres vom Bistum Würzburg verliehenen Lehens an das        Kloster Schöntal, nämlich die Pfarrkirche mit ihren Gütern in Sülzbach (Sulzebach prope Winsperg). Auch in den folgenden Jahrzehnten     vergrößerte das Kloster Schöntal wesentlich seinen Besitz in Sülzbach durch weitere Schenkungen und Zukäufe.

1447   Erwerb der Sülzbacher Zehntanteile

            von Konrad von Weinsberg                              

 1490    Das Kloster besitzt alle wesentliche Einkünfte des Ortes,

            den Großen und den Kleinen Zehnten

             und den Weinzehnten.   

 Obwohl Sülzbach bei der Reformation vollständig zum evangelischen Glauben übertrat, behielt das Kloster Schöntal bis zur Klosterauflösung 1802/1803 diese Einkünfte aufgrund einer Vereinbarung mit dem Herzogtum Württemberg.

Die Verwaltung der Güter erfolgte weitgehend vom "Pfleghof" in Wimmental aus. Von 1487 an hatte das Kloster Schöntal in Wimmental neben der kirchlichen auch die "weltliche" Zuständigkeit als Landesherr. In Sülzbach erbaute das Kloster verschiedene Gebäude um ihre Zehntabgaben in Empfang zu nehmen oder zu lagern, wie z.B. den Klosterhof oder die Zehntscheune (abgebrochen).

 Eine Dorfkelter dürfte in Sülzbach schon im 14. Jahrhundert unter den Herren von Weinsberg vorhanden gewesen sein.       

Weinbau/Kelterzwang/Weinzehnter

Weinpresse (Torkelpresse)
Weinpresse (Torkelpresse)

  Der Weinbau dürfte bereits mit den Römern in dieser Gegend Fuß gefasst haben.

  Urkundlich erwähnt wird der Weinbau:

1257 für Willsbach

1262 für Affaltrach

1271 für Eschenau

1274 für Eichelberg und Weiler

1345 für Sülzbach

 Der Wein war ein sehr begehrtes Handelsgut. So vergrößerten sich die Weinbauflächen im Laufe der Jahrhunderte wesentlich. Während des Dreißigjährigen Kriegs verödeten viele Flächen und danach erholte sich der Weinbau nur langsam. Bis ins 20. Jahrhundert gab es dann ein stetiges auf und ab der Rebflächen.

 RebflächeRebfläche
 heutige Gemarkung Obersulmdavon Sülzbach
Beschreibung des Oberamts Weinsberg von 1861 440 ha54 ha
Weinbaustatistik 2021 376 ha48 ha

 Kelterzwang

 Der gesamte Ertrag der Weinberge am Ort mussten im Herbst zur herrschaftlichen Kelter gebracht werden, anderfalls drohten hohe Strafen. Für das Kloster waren während der Herbstarbeiten ständig "Keltermänner" zugegen, die in der Kelter auch für die notwendigen Bütte sowie für das Heizen und Beleuchten zu sorgen hatten. 

  Als Keltermänner fungierten in Sülzbach stets zwei Wimmentaler Bürger.

 In folge der Ablösung der "Zehntabgaben" wurde auch der Kelterzwang in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgeschafft.

 Weinzehnter

 Die "Keltermänner" hatten auch sorgfältig darauf zu achten, dass der Weinzehnte (als Maische oder Most) ordnungsgemäß an das  Kloster abgeliefert wurde. Im "Pfleghof" in Wimmental befand sich ein für damalige Zeit riesiger Keller, der sowohl als Sammelstelle als   auch als Lager für große Weinbestände diente. 

Die Berechnung des Weinzehnten erfolgte nach besonderen Weinmaßen. Bis 1806 galt in Sülzbach das sog. "Heilbronner Maß"  und bis zur Ablösung des Weinzehnten das "württembergische Maß".

Württembergisches Maß:  1 Eimer = ca. 300 l= 16 Imi;1 Imi = ca.18,7 l>; 1 Imi enthielt 10 Maß = 1,87 l.

Das Kloster Schöntal besaß den Weinzehnten über dreihundert Jahre lang, vom Jahr 1490 bis zur Auflösung des Klosters 1802/1803.  Daraufhin stand der Weinzehnte dem Herzogtum/Königreich Württemberg zu. Ebenso ging das Eigentum an der Kelter auf Württemberg über. Die Güter und Einkünfte wurden von da ab vom Kameralamt in Weinsberg aus verwaltet. 

Ablösung des Weinzehnten

Durch das Grundlast-Ablösungsgesetz für das Königreich Württemberg vom 14. April 1848 wurden alle aus dem Lehens- und Grundherrlichkeitsverband (Feudalherrschaft) herrührenden bäuerlichen Lasten beseitigt. Für die aufzuhebenden Gefälle wurden die seither Berechtigten durch Geldleistungen entschädigt. Die Bauern und Weingärtner konnten die im Gesetz festgesetzen Entschädigungen in Raten von maximal 25 Jahren tilgen.

Die Höhe der Entschädigung für den Weinzehnten wurde nach einem 10-jährigen Durchschnitt der Herbstpreise vor Ort ermittelt.

        

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