Sehenswertes in Willsbach

Evang. Pfarramt

Sankt Georgsgasse 3, 74182 Obersulm

Das Evangelische Pfarramt wurde in den Jahren 1887/1888 an der Stelle eines Vorgängergebäudes neu erbaut.

Die Gründung der Pfarrei

Willsbach war kirchlich bis ins 16. Jahrhundert mit der "Mutterkirche" des Weinsberger Tals, der St. Kilianskirche in Sülzbach verbunden. Die ursprünglich vorhandene St. Georgskapelle wurde 1486 erweitert und zu ihrer jetzigen Größe als Kirche umgebaut. Willsbach bekam aber damit  keine eigene Pfarrei, sondern blieb weiterhin  eine Filiale der Sülzbacher Kirche (die ausführliche Gebäudehistorie ist in der Abhandlung zur St.Georgskirche enthalten). Der Ort  Willsbach selbst gehörte bis 1441 zur Grafschaft Löwenstein, wurde dann kurpfälzisch und ab 1504 - mit einer kurzen Unterbrechung - württembergisch. 1425 stritt sich Graf Heinrich von Löwenstein mit dem Kloster Schöntal um ein Drittel des Willsbacher Groß- und Kleinzehnten, den der Zisterzienserorden als Patronatsherr des Sülzbacher Kirchensprengels beanspruchte. Der Orden durfte den Anteil am Zehnten behalten, musste dafür aber wöchentlich zwei Messen in der St. Georgskapelle lesen. Das sogenannte "Mönchszimmer" mit seinen Fresken im früheren "Storchenhaus" dürfte als Wohnraum der Mönche gedient haben. Nachdem Herzog Ulrich nach seiner Vertreibung 1534 wieder in den Besitz seines Landes kam, führte er die kirchliche Reformation durch. Somit wurde auch der württembergische Ort Willsbach evangelisch. Reformator war in unserer Gegend der Weinsberger Erhard Schnepf (1495 -1551). Der (katholische) Zisterzienzerorden in Schöntal behielt aber durch einen Vertrag mit dem Herzogtum Würtermberg sein Patronatsrecht für die (nunmehr evangelische) Pfarrei Sülzbach mit ihren Filialen. Verbunden damit waren auch die Einkünfte aus den verschiedenen Zehntabgaben. Als Folge der Reformation änderte sich allerdings die kirchliche Liturgie. Der Sülzbacher Pfarrer musste nun an Stelle der von den Mönchen gelesenen Messe in Willsbach wöchentlich eine Predigt halten. Dafür erhielt er vom Schöntaler Abt jährlich sechs Gulden. Doch bald beschwerte sich der Pfarrer, weil ihm bei seinem großen Sprengel die Mehrarbeit unmöglich schien. Aber erst knapp vierzig Jahre später, im Januar 1571, wurde Willsbach eine eigene Pfarrei. Herzog Ludwig (der Fromme) bestellte Magister Zacharias Ruoff zum Pfarrer,  der hier bis 1608 seinen Dienst versah. Die Kasualfälle (Geburten und Beerdigungen) sind bis 1571 in den Sülzbacher Registern eingetragen. Das älteste erhaltene Willsbacher Kirchenbuch (Tauf- und Totenbuch) beginnt erst 1645, begonnen von Pfarrer Anastasius Cellius. Vermutlich sind die Bücher von 1571 bis 1645 in den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs verloren gegangen.

Das Pfarrhaus

Das Vorgängergebäude

Nachdem Willsbach im Jahr 1571 von der seitherigen "Mutterkirche" in Sülzbach getrennt und eine eigen Pfarrei wurde, übernahm  Magister Zacharias Ruoff als Erster das Amt des Pfarrers. Er wohnte zu Beginn sicherlich noch nicht in einem eigenen Gebäude. Es spricht aber viel dafür, dass zumindest  in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein Pfarrhaus am Ort vorhanden war. So finden sich in den Archivakten der bürgerlichen Gemeinde ab 1715 verschiedene Schriftstücke zur baulichen Unterhaltung eines Pfarramts. Um das Jahr 1755 gab es dann eine größere Renovierung. Das Gebäude stand am Platz des heutigen Pfarrhauses und hatte auch ähnliche Grundmaße, wie aus der Urkarte zur Landesvermessung ersichtlich ist. Allerdings befand sich der Eingang zum Gebäude auf der östlichen Giebelseite. Im Frühjahr 1887 wurde "das alte Pfarrhaus auf den Abbruch verkauft", wie im Gemeinderatsprotokoll vom 12.Mai 1887 zu lesen ist, wobei es bei diesem Verkauf nicht um das Grundstück, sondern um die verwertbaren Baumaterialien (Holzbalken, Ziegel usw.) ging. Eigentümer des Grundstücks war nach dem Gebäudekataster von 1824 "der hiesige Heilige" (die "Heiligenpflege" entsprach in etwa der heutigen Kirchenpflege): im Brandschadenskataster von 1821 als "Pium Corpus "bezeichnet. Bis 1891 waren im Königreich Württemberg das kirchliche und weltliche Vermögen in den Gemeinden eine Einheit und wurden gemeinsam verwaltet. Das eigentliche Kirchenvermögen wurde in diesem Jahr auf die neu gegründeten Organe (wie z.B. Kirchenpflege) übertragen, so auch das Eigentum am Pfarrhaus. Die Baulast (bauliche Unterhaltung) allerdings ging auf das königliche Kameralamt über.

Das heutige Pfarrhaus

Der bauliche Zustand des alten Pfarrhauses hatte sich soweit verschlechtert, dass ab Ende der 70-er Jahre des 19. Jahrhunderts ein Neubau ernsthaft ins Auge gefasst wurde. Dafür wurde ein eigener Pfarrhausbaufonds eingerichtet. Die bürgerliche Gemeinde verpflichtete sich jährlich 500 Mark in diesen Fonds einzuzahlen. Dieser Verpflichtung schien sie nicht immer nachgekommen zu sein. Anfang Juli 1885 berichtet das königliche Kameralamt in Weinsberg der obersten Kirchenbehörde in Württemberg, dem königlichen evangelischen Konsistorium in Stuttgart, über den Stand des Baufonds. In seiner Antwort vom 14.Juli 1885 an das königliche Oberamt in Weinsberg wies das Konsistorium u.a. auf folgendes hin: "Der dermalige Baufond für sich allein würde dem Zinsertrag nach in den nächsten Jahren nur um jährlich ca. 600 Mark anwachsen und deshalb zur Zahlung des Bauaufwands voraussichtlich erst nach einer Reihe von Jahren ausreichen." Weiter fordert das Konsistorium vom Oberamt die Gemeinde Willsbach zu veranlassen, ihre Zahlungen fortzusetzen und mit der Bauplanung zu beginnen. "Um übrigens den Zeitpunkt bis zu welchem die fraglichen Einzahlungen fortzusetzen wären, näher bestimmen zu können, sollte jetzt ein Bauplan mir Kostenvoranschlag für Rechnung des Baufonds aufgenommen werden". Daraufhin berichtet Schultheiß Strobel an das Oberamt über den Beschluss der "bürgerlichen Collegien" vom 13. Juli 1885: "... die Einzahlung eines weiteren Jahresbeitrags pro 1885/86 von 500 Mark genehmigt und auch fürderhin diesen Beitrag abzugeben beschlossen worden ist". Weiter berichtet der Schutheiß: "Im Auftrag der bürgerl. Collegien habe ich bereits an Herrn Oberamtsbaumeister Wagner das Ersuchen um Fertigung eines Bauplans u. Kostenvoranschlags über Errichtung eines neuen an Stelle des abzubrechenden alten Pfarrhauses gestellt." Von Oberamtsbaumeister Gottlob Wagner sind heute in Obersulm noch fünf weitere Gebäude erhalten, nämlich die drei (alten) Schulhäuser in Affaltrach ,Eschenau und Willsbach sowie die Backhäuser in Affaltrach und Eichelberg. In den Jahren 1887/1888 erfolgte schließlich der Neubau. Zuvor war als Ausweichwohnung für den Pfarrer in dem gegenüberliegenden "Alten Schulhaus" eine Wohnung eingerichtet worden. 1889 konnte die Pfarrstelle mit Karl Friedrich Essig wieder für längere Zeit besetzt werden, nachdem es zuvor von 1877 an, also zwölf Jahre lang, nur einen ständigen Wechsel von  Amtsverwesern auf dieser Stelle gegeben hatte.

Vorherrschender Baustiel zu dieser Zeit war der sog. Historismus , bei dem  in der Architektur unterschiedliche, an frühere Architektur-Epochen angelehnte Baustiele, angewandt wurden (Neugotik, Neuromantik, Neorenaissance, Neobarock). Die Gestaltung der Fassaden des weitgehend aus Schilfsandstein gebauten Pfarrhauses mit symmetrisch angeordneten Fenstern, mit dem Gesimse zwischen den Stockwerken sowie dem markanten Vorbau (Risalit), zeigt Elemente eines Neorennaissancebaus. Der Vorbau in der Gebäudemitte mit seinem Spitzgiebel erstreckt sich über die gesamte Höhe des Bauwerks und wird durch ein stilisiertes Türmchen gekrönt. Das eigentliche Gebäudedach ist als Krüppelwalmdach ausgestaltet. Im Vorbau errichtete man über eine mehrstufige Aussentreppe den dominaten Eingangsbereich, der von Pfeilern und einem Quergesimse eingefasst ist. Über dem geräumigen, gewölbten Keller liegt im Hochparterre das Erdgeschoss, darüber das zweite Stockwerk und das Dachgeschoss. Ursprünglich befanden sich im Erdgeschoss vier um ein großes Foyer angeordnete Räume, davon war der Raum in der Nordostecke die auch von außen zugängliche Waschküche. Im Obergeschoss befanden sich die Wohnräume. Im Laufe der Jahre wurde aus dem zuerst nur als  Wohn- und Arbeitsort der Pfarrer und deren Familien genutzten Pfarrhaus auch ein Ort des kirchlichen Gemeindelebens. Bis zum Bau des Gemeindehauses (bzw. der vorherigen alten Holzbaracke) traf man sich nun dort zum Konfirmandenunterricht, zu den Jugendgruppen, zu Kirchenchorproben und weiteren kirchlichen Aktivitäten. Dazu wurden  z.B. im Jahr 1953 durch Umbauten zwei Räume auf der Ostseite des Erdgeschosses zusammengelegt. So entstand ein kleiner Gemeindesaal von ca. 40 m². Zuvor schon war im Jahr 1948 im Dachgeschoss eine Wohnung eingebaut worden, in der einige Jahre lang Heimatvertriebene eine neue Unterkunft fanden. Heute werden die Räume im Erdgeschoss wieder weitgehend für das Pfarramt genutzt.


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